HOMEABOUT INFONETNETWORKLINKSCONTACTRSS

TOPICS


COUNTRIES


Subscribtion newsletter

InfoNet Newsletter 1/2013 (pdf)
Topic: Recent trends

InfoNet Newsletter 2/2013 (pdf)
Topic: Youth unemployment

Cartoons

Cartoon gallery adult education
(InfoLetter cartoons by Gerhard Mester)

Frauen, Männer und Bildung: Geschlechtsspezifische Weiterbildungsbeteiligung und -interessen in Deutschland | Print |
Angela Venth   | 22.03.2007 | Science - Articles
Die Beteiligung von Frauen und Männern an Weiterbildung und ihre geschlechtsspezifischen Bildungsinteressen spiegeln die eingeschliffene Arbeitsteilung der Geschlechter und ihre Rollenzwänge. Sie lassen Rückschlüsse auf Blockaden und Veränderungen im Geschlechterverhältnis zu. Der Beitrag analysiert Daten aus dem "Berichtssystem Weiterbildung" und der "Volkshochschulstatistik". Den Weg von Frauen zur Gleichberechtigung durchzieht von Beginn an auch der Kampf um den Zugang zur Bildung. Zwar ist der formale Ausschluss des weiblichen Geschlechts aus dem öffentlichen Bildungswesen mit seinen männlich besetzten Bildungsorten vergangene Geschichte und weit überholt, dennoch begreifen und nutzen Frauen Lernen auch heute noch als zentrales Element von Gleichstellung. Lernen besitzt für sie einen spezifischen Stellenwert: Historisch betrachtet stellt es nicht nur einen essentiellen Kern ihrer Forderung nach voller gesellschaftlicher Teilhabe dar, sondern symbolisiert auch ein Recht, das sie als eigene Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.
Die weibliche Beteiligung an der Bildung Erwachsener wird beeinflusst von Sozialisationseffekten und geschlechtsspezifischen Lebensbedingungen. Das bedeutet also, an den Teilnahmequoten der Erwachsenenbildung ist immer auch etwas abzulesen vom Stand geschlechtsgeprägter Wahrnehmungen und Lebensformen sowie von den Kulturen und Strukturen, in die sie eingebettet sind. Darüber hinaus können sie Auskunft über Geschlechterdifferenzen oder -paritäten geben.
Betrachtet man die Differenz in der Beteiligung von Frauen und Männern sowohl an der beruflichen als auch an der allgemeinen Weiterbildung in Deutschland, so ergibt sich für den Zeitraum von 1979 bis 1997 eine kontinuierlich wachsende Zunahme der Bildungsteilnahme von Frauen. Im Jahr 2000 öffnet sich die Schere zwischen den Teilnahmequoten der Geschlechter allerdings weiter, um 2003 wieder auf den Stand von 1997 zu sinken: mit einer lediglich um zwei Prozentpunkte höheren männlichen Beteiligung (vgl. BMBF 2006).
Der Abwärtstrend in der Gesamtteilnahme an beruflicher und allgemeiner Bildung ist 2003 auf die erheblich gesunkene Beteilung erwerbstätiger Männer an beruflicher Bildung zurückzuführen, während die Quote der Frauen gleich bleibt. Wenn konstatiert wird, dass nicht erwerbstätige Frauen geringfügiger als nicht erwerbstätige Männer an beruflicher Bildung beteiligt sind (ebd., S. 122), so liegt die Folgerung nahe, dass die ungleiche Verteilung von Familienverantwortung zu Lasten der Frauen dafür den Schlüssel liefert. Ohne Zweifel übt neben der Arbeitsmarktsituation auch die private, geschlechtsspezifische Lebenssituation nachdrücklich Einfluss auf den Umfang der Bildungsteilnahme aus. Die Frage nach der Bildungsbeteiligung der Geschlechter ist demnach direkt zu verknüpfen mit der Frage nach der gleichwertigen Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben ebenso wie an der Familienarbeit.

Im Bildungsangebot gehen die Geschlechter unterschiedlichen Interessen nach. Frauen sind stärker im Programm der allgemeinen Bildung vertreten, Männer trotz gesunkener Quote noch immer im Bereich der beruflichen Bildung (ebd., S. 120 ff.). Die Differenz wird besonders augenfällig, wenn die geschlechtsspezifische Verteilung der Teilnahme in Volkshochschulen (als einem der größten Trägerbereiche mit einem breiten Angebot an allgemeiner Bildung) exemplarisch herangezogen wird (vgl. Pehl u.a. 2006, S. 69). In allen Programmbereichen überwiegt die weibliche Lernbeteiligung, sie ist in Angeboten zur Gesundheit sowie rund um Kultur und Gestalten am höchsten.
Divergierende Neigungen der Geschlechter, wie sie sich auch in der Wahl von Ausbildungsberufen und Studienfächern abzeichnen, setzen sich auch im Erwachsenenalter fort. Sie können aber nicht unter der Hand als verlängerte Sozialisationseffekte registriert und ad acta gelegt werden. Was u. a. bei erwachsenen Frauen und Männern hinzutritt, sind die Erfahrungen mit der traditionell eingeschliffenen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und ihren Rollenzwängen. Die Teilung in öffentliche, berufsbezogene und private Arbeit schlägt sich augenscheinlich und genderrelevant auf das Lerninteresse und die bevorzugten Formen des Lernens nieder (vgl. Venth 2006). Trotz wachsender Diskontinuitäten auch in männlichen Erwerbsbiografien ist aber noch keine Gleichstellung erreicht, die Frauen wie Männer die gleichen Anteile beruflicher wie privater Arbeit tun lässt und zu ausgewogenen Lernprioritäten führt.

Literatur:
BMBF (2006): Berichtssystem Weiterbildung IX. Bonn/Berlin
Pehl, K./Reichart, E./Zabal, A.: Volkshochschul-Statistik 2005. URL: www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2006/pehl06 01.pdf
Venth, A. (2006): Gender-Porträt Erwachsenenbildung. Bielefeld
 
Details:
Topics/Keywords: Science => Research
Structure/System => Statistics
Subjects / Target groups => Gender
Weiterbildungsbeteiligung; Weiterbildungsinteressen; Frauen; Männer
Hits: 1454
Related Links: http://www.die-bonn.de/doks/venth0701.pdf
http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2006/pehl06_01.pdf
 
FacebookMySpaceTwitter
More articles about this topic:
The “Second Chance“– Systemic development of elementary practice based adult education
Youth unemployment in Italy
International Holocaust remembrance, a timely reminder of the need to step up efforts to fight racism and antisemitism
Digital learning for participants with learning disabilities
Searching for the truth
Germany: Eliminating illiteracy made number one topic
Growing importance of international qualifications affects training landscape
Key Data on Education in Europe 2012
Rela Number 2 is out
Informal learning in formal adult education. Explorative study of experiences of low educated participants.